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pax christi

menschen machen frieden - mach mit.

Unser Name ist Programm: der Friede Christi. 

pax christi ist eine ökumenische Friedensbewegung in der katholischen Kirche. Sie verbindet Gebet und Aktion und arbeitet in der Tradition der Friedenslehre des II. Vatikanischen Konzils. 

Der pax christi Deutsche Sektion e.V. ist Mitglied des weltweiten Friedensnetzes Pax Christi International.

Entstanden ist die pax christi-Bewegung am Ende des II. Weltkrieges, als französische Christinnen und Christen ihren deutschen Schwestern und Brüdern zur Versöhnung die Hand reichten. 

» Alle Informationen zur Deutschen Sektion von pax christi

Gudrun Nitsch

Neugierig habe ich mit dem Lesen des Zwischenrufs begonnen in der Annahme, dass er vielleicht auch meinen gelegentlichen Frust widerspiegelt, wenn ich an das Engagement von pax christi gegen den Rüstungsexport, für den Frieden zwischen Israelis und Palästinensern oder für eine gerechtere Weltwirtschaft denke.

Ich hatte nicht erwartet, dass sich der Autor ausschließlich auf das Thema Asyl, Flüchtlinge und Migration fokussiert. Und da ich nun als altes pax christi Mitglied schon vor dreißig Jahren angefangen habe, mich auch für die Situation der Flüchtlinge vor Ort zu interessieren, fühle ich mich durch den Artikel zu einer Stellungnahme herausgefordert.

Ich stimme dem Autor zu, dass es Probleme mit der Integration gibt, aber ich bedauere, dass er sie verallgemeinert und in mancher Hinsicht leider auch übertreibt. Er übersieht die positiven Entwicklungen. Ich kenne zahlreiche Menschen, die hierher geflüchtet sind, eine  Ausbildung gemacht haben und erfolgreich im Beruf sind, sei es als Krankenschwester oder Altenpfleger, aber auch als Akademiker.  Um das zu erreichen, musste man sie "fördern und fordern", ein Motto, das mich schon bei meiner Ausbildung zur Grund- und Hauptschullehrerin überzeugt hat.

Ein anderes wichtiges Thema, das der Autor anspricht, ist die Wohnungsnot in Deutschland. Ich finde auch, dass wir zu wenig Wohnraum zu erschwinglichen Preisen haben, sehe aber auch zu viele leerstehende Wohnungen und Häuser, die offenbar aus Spekulationsgründen nicht  vermietet werden. Jedoch der Autor beklagt eher den Bau neuer Flüchtlingsunterkünfte. Abgesehen davon, dass die behaupteten Milliardenbeträge aus Steuergeldern zu hoch gegriffen sind, frage ich mich, ob er diese Systembauten persönlich einmal betreten hat und sich vorstellen könnte, selbst darin zu wohnen? Zu erleben, wie das ist, so nah aufeinander zu hocken, sich mit Fremden Küche, Bad und Toilette teilen zu müssen? Mir würde das sehr schwer fallen. Dagegen bin ich erstaunt, wie gut sich die meisten Bewohner mit den Begebenheiten arrangieren und die zusätzlichen Belastungen durch die Corona-Pandemie hinnehmen.

Den Hinweis auf die kulturellen Unterschiede und die Gefahr der Entstehung von Parallelgesellschaften nehme ich sehr ernst. Um dagegen anzugehen, hilft nach meiner Erfahrung die persönliche Kontaktaufnahme. Sie kann auch z.B. zu einer Einladung von Muslimen in die Kirche führen oder zur eigenen Teilnahme beim Fastenbrechen. Beides habe ich schon mehrmals gemacht und als zufriedenstellend erlebt. Klar ist für mich aber auch, dass bei ernsthaften Problemen oder gar kriminellen Vergehen der Migranten seitens des Gesetzgebers Strafen erteilt und auch Abschiebungen durchgeführt werden müssen.

Noch viel gäbe es zu diskutieren! Stattdessen fasse ich drei meiner Anliegen zusammen: 

  • Fluchtursachen erkennen und mit politischen und wirtschaftlichen Maßnahmen bekämpfen
  • In Seenot geratene Flüchtlinge retten und ihnen ein faires Asylverfahren ermöglichen
  • Migranten bei der Integration in unsere Gesellschaft unterstützen

Abschließend möchte ich mitteilen, dass für mich die Leitworte von pax christi zu "Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung" immer auch etwas mit der Flucht von Menschen aus ihrer Heimat zu tun haben. Deshalb werde ich mich in diesem Bereich weiter engagieren so gut ich kann und dabei weder die "Moralkeule" schwingen noch die Probleme unter den Tisch kehren. Geholfen haben mir dabei u.a. diese drei Bücher:

"Von Kartoffeln und Kanaken: Warum Integration im Klassenzimmer scheitert. Eine Lehrerin stellt klare Forderungen", von Julia Wöllenstein

"Kein schönes Land in dieser Zeit - das Märchen von der gescheiterten Integration", von Mehmet Gürcan und Daimagüler

"Die neuen Deutschen: Ein Land vor seiner Zukunft", von Herfried und Marina Münkler  

Nun möchte ich mich beim Redaktionsteam bedanken, dass es diesen Zwischenruf abgedruckt hat. Auch dem Schreiber danke ich für die Offenlegung seiner Beweggründe. Sein Text ist eine Herausforderung für uns alle, sich mit dem Thema Flüchtlinge näher zu befassen.

Gudrun Nitsch
April 2021