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pax christi

menschen machen frieden - mach mit.

Unser Name ist Programm: der Friede Christi. 

pax christi ist eine ökumenische Friedensbewegung in der katholischen Kirche. Sie verbindet Gebet und Aktion und arbeitet in der Tradition der Friedenslehre des II. Vatikanischen Konzils. 

Der pax christi Deutsche Sektion e.V. ist Mitglied des weltweiten Friedensnetzes Pax Christi International.

Entstanden ist die pax christi-Bewegung am Ende des II. Weltkrieges, als französische Christinnen und Christen ihren deutschen Schwestern und Brüdern zur Versöhnung die Hand reichten. 

» Alle Informationen zur Deutschen Sektion von pax christi

Reinhold Gieringer

Zugegeben: Es ist schwierig zu sagen, was pax christi außerhalb der eigenen Blase erreicht hat. Belastbare Umfragen dazu liegen nicht vor, doch plausible Antworten lassen sich durchaus finden.

pax christi ist eine wichtige Friedensorganisation, die dafür sorgt, dass zentrale Themen des Friedens wie Wettrüsten, Waffenexporte, Gewaltfreiheit usw. in Kirche und Politik immer wieder zur Sprache kommen und nicht im Nirgendwo verschwinden. Dadurch leisten wir unseren Beitrag zur Bewusstseinsbildung. Die Arbeit von pax christi (und anderen Friedensorganisationen) beeinflusst damit auch das Wahlverhalten der Wähler. Gerade heute achten Parteien sehr auf Umfrageergebnisse. Die Angst vor Verlust von Wählerstimmen spielt eine bedeutende Rolle. Bekannt ist z.B., dass Kanzlerin Merkel sehr auf Umfragen achtet. Aus eigener Aktivität in einer Partei kann ich bestätigen, dass Positionen der Friedensbewegung eine stärkere Beachtung finden (wenn auch nicht im gewünschten Ausmaß!). So sagte einmal ein Bundestagsabgeordneter bei einer Diskussion über TTIP, falls meine Aussagen (über die Schiedsgerichte) zuträfen, würde er gegen diesen Vertrag stimmen. Ohne Berücksichtigung friedenspolitisch orientierter Wählerstimmen kämen Interessen des militärisch-industriellen Komplexes weitaus stärker zur Geltung. Ich bin kein Freund von Gerhard Schröder. Aber eines muss man ihm zu Gute halten: Im Irakkrieg 2003 verweigerte er für Deutschland die Teilnahme, evtl. nicht unbedingt aus Überzeugung, sondern weil er wusste, er benötigt für die nächste Wahl die Stimmen der friedenspolitisch interessierten Bürger.

Als christliche Friedensbewegung sollten wir einmal auf die bundes- und außenpolitischen Wirkungen unserer Aktivitäten achten, doch auch auf die zwischenmenschlichen Spannungen und Konfliktsituationen. An unseren Seminaren für gewaltfreie Kommunikation nehmen besonders viele Nicht-Mitglieder teil. Dort wird gelernt, mit anderen respektvoll und wertschätzend umzugehen. Dies ist eine notwendige Form der Friedensarbeit. Auf lokaler Ebene kann man erfahren, wie unsere Aktivitäten sowohl im christlichen Milieu als auch außerhalb davon bemerkt und respektiert werden. Unsere Stimme spielt eine beachtete und geachtete Rolle, auf der persönlichen Ebene und im gesellschaftlichen Diskurs.

Ein Beleg dafür sind die Wirkungen der geplanten Streichung des Zuschusses für die Bundesebene von pax christi durch die deutsche Bischofskonferenz vor vier Jahren. Die Unterschriftenaktion gegen dieses Vorhaben zeigte Erstaunliches: Wie viele und welche Personen unterschrieben, ebenso wie viele und welche Zeitungen darüber berichteten. Die wahrnehmbare Anerkennung und Unterstützung für pax christi war über die Grenzen "der Blase" hinweg deutlich und überraschend stark, so dass die Bischofskonferenz von diesem Plan Abstand nahm.

Die "Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!", bei der pax christi maßgeblich beteiligt ist, erreichte einen besonderen Erfolg, indem die Firma Heckler und Koch zu einer hohen Bußgeldzahlung verurteilt wurde, weil Waffen rechtswidrig in Spannungsgebiete verkauft wurden. Die Firma SIG Sauer musste in gleicher Sache elf Mio. bezahlen. Rechtsanwalt Holger Rothbauer, der die Anzeigen ins Rollen brachte und vertrat, ist Mitglied von pax christi.

Friedensdienste sind ein weiterer Schwerpunkt von pax christi. Unser Diözesanverband organisiert und unterstützt finanziell seit Jahren einen freiwilligen Einsatz von jungen Erwachsenen in Palästina, früher in Mexiko. Zu nennen ist auch die zunehmende Bedeutung des Internets und der modernen Medien, worin unsere Positionen dargestellt und vor allem für die jüngere Generation zugänglich sein sollten. Auch hier gilt: Wer in den ("sozialen") Medien nicht vorkommt, ist bald weg vom Fenster. Wir betrachten es als unsere Aufgabe, den zuweilen nur pessimistischen Ansichten unsere hoffnungsvolle christliche Sicht entgegenzusetzen: In pax info73 vom April 21 (S. 14), ist die Rede von der Angst vieler Jugendlicher vor Umweltzerstörung, Terror, Zuwanderung, wachsender Fremdenfeindlichkeit. Wir legen Grundlagen für ein Bewusstsein, dass Umwelt, Klima, soziale Gerechtigkeit und Frieden zusammen gehören und in gegenseitiger Vernetzung weiterentwickelt werden müssen. Dabei unterstützen wir auch die Initiative der Evangelischen Landeskirche Baden „Sicherheit neu denken.“ Bei der Servicestelle Friedensbildung Baden-Württemberg, die in Kooperation mit dem Kultusministerium eingerichtet wurde, gehörte pax christi von Beginn an zu den wichtigen Akteuren. Der Erfolg dieser Servicestelle darf daher auch zu den Erfolgen der Friedensarbeit von pax christi gezählt werden.

Es sind viele Beispiele, bei denen wir einiges und doch nicht alles erreichten. Frieden kommt nicht von allein, immer wieder bedarf es der Anstrengungen vieler, um in Zukunft eine bewohnbare und möglichst gewaltfreie Welt zu schaffen.

Reinhold Gieringer, Rottenburg
Vorsitzender von pax christi Rottenburg-Stuttgart von 2010 bis 2019,
Mitglied im Erweiterten Vorstand
Juli 2021