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pax christi

menschen machen frieden - mach mit.

Unser Name ist Programm: der Friede Christi. 

pax christi ist eine ökumenische Friedensbewegung in der katholischen Kirche. Sie verbindet Gebet und Aktion und arbeitet in der Tradition der Friedenslehre des II. Vatikanischen Konzils. 

Der pax christi Deutsche Sektion e.V. ist Mitglied des weltweiten Friedensnetzes Pax Christi International.

Entstanden ist die pax christi-Bewegung am Ende des II. Weltkrieges, als französische Christinnen und Christen ihren deutschen Schwestern und Brüdern zur Versöhnung die Hand reichten. 

» Alle Informationen zur Deutschen Sektion von pax christi

Geistliches Wort 5/2005

(erstmalig veröffentlicht im Pax Christi-Rundbrief 1/2005)

Geistliches Wort zum Gründonnerstag

Pfr. Hermann Benz, Geistlicher Beirat von Pax Christi Rottenburg-Stuttgart, im Mai 2005

Es war am Gründonnerstag (grün = grei (neu) = weinen) als Stefan mich anrief und um einen geistlichen Impuls für den Rundbrief bat. Da kam mir blitzschnell der Gedanke: Könnte der Gründonnerstag, die Botschaft dieses Tages, der geistliche Impuls sein? Bei näherem Hinschauen und Hinhören zeigte sich mir: der Gründonnerstag, das, was Jesus an diesem "Abend vor seinem Leiden und Sterben" tat und sagte, ist eigentlich die Stiftungsurkunde von Pax Christi. Und so schrieb ich gleich, noch am selben Tag, meine Gedanken nieder:

"Am Abend vor seinem Leiden und Sterben" wusch Jesus seinen Jüngern die Füße und feierte mit ihnen das Mahl, ein sehr ungewöhnliches Mahl. Was aber hat das mit Pax Christi und seinem gesellschaftspolitischen Auftrag zu tun, mit Fragen z.B. zur EU Verfassung, zur Wirtschaftspolitik und militärischer Aufrüstung? Es ist unschwer zu erkennen, dass die Zeichen, die Jesus da setzt, von höchster Relevanz auch für unser politisches Denken, Entscheiden und Handeln sind. "Während des Mahles... steht Jesus auf... und beginnt, den Jüngern die Füße zu waschen." Bei Tisch fragte Jesus: "habt ihr verstanden, was ich euch getan habe?" Und auch uns fragt er: "versteht ihr...?" Haben wir verstanden? Haben die Christen im 20. Jh. verstanden? Ein großes Fragezeichen ist angebracht. Hätten sie es verstanden, der Menschheit wäre das unsägliche Leid der schrecklichen Kriege und Vernichtungsaktionen erspart geblieben. Haben wir Christen des 21. Jahrhunderts verstanden? Verstehen die christlichen Kirchen heute das Zeichen der Fußwaschung? Oder gleichen sie eher den Jüngern Jesu, die nicht verstanden, nicht verstehen konnten, nicht verstehen wollten. Sie erwarteten immer noch, dass Jesus sich als der starke Mann zeige. Als die Häscher ein paar Stunden später in den Garten Getsemane auf dem Ölberg eindringen, um Jesus gefangen zu nehmen, da rufen seine Jünger - wild entschlossen zu kämpfen - "Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?" Petrus wartet erst gar nicht auf eine Antwort. Er schlägt drauf los und haut Malchus, dem Knecht des Hohenpriesters, das Ohr ab. Jesus aber sagt - oder schreit er vielleicht? - "Lasst das! Hört auf damit!" Und zu Petrus: "Stecke dein Schwert an seinen Platz, denn wer das Schwert ergreift, wird durch das Schwert umkommen. Oder glaubst du nicht, dass der Vater mir sofort mehr als 12 Legionen Engel schicken würde, wenn ich ihn darum bäte?" Klare Worte Jesu, gesprochen zu uns allen: wer zur Gewalt greift, wird durch Gewalt umkommen! Lasst das! Hört auf damit! Versteht doch, was ich euch getan habe: "Wenn ich, den ihr euren Meister und Herrn nennt, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen". In der Welt da gibt es Herren und Diener, Herrschende und Beherrschte: " bei euch aber soll es nicht so sein". Und: Herrschende müssen ihre Herrschaft mit Gewalt erkämpfen und mit Gewalt verteidigen. "Bei euch aber soll es nicht so sein". Habt ihr all das verstanden? Wir alle tun uns schwer damit und sagen: "aber in dieser unserer Welt, wie sie nun mal ist, da geht es einfach nicht ohne Gewalt." Das mögen wir 1000 mal sagen. Dennoch bleibt das Wort Jesu, das "Wort des lebendigen Gottes": "Petrus, stecke dein Schwert an seinen Platz, denn..." Lukas berichtet noch eine kleine aber eindrucksvolle Episode: "Jesus aber hielt das Ohr (des Malchus) fest und heilte ihn". Welch ein Bild, welch eine Botschaft! Die Hände der Jünger - die Hände Jesu. Die einen schwingen das Schwert, die anderen berühren behutsam und heilen, nicht einen Freund, sondern einen Feind. Der aber ist für Jesus sein Bruder, sein geliebter Bruder.

Das Vermächtnis des Mahles. Jesus gibt sich seinen Jüngern: "nehmet, mein Leib, hingegeben für euch... mein Blut, vergossen für euch, und für alle" (heute ist der 25. Todestag von Erzbischof Oskar Romero!) Paulus hat verstanden: "So sind denn alle, die von dem einen Brot essen, ein Leib", in allen Gliedern des Leibes ist der eine, derselbe, er, der sagt: " mein Leib, hingegeben für euch, mein Blut, vergossen für euch". In allen lebt er, will er leben. In all den vielen, so verschiedenen. Nicht Uniformität, aber Gemeinschaft, Solidarität in Jesu Geist, in Jesu Liebe, in Jesu Hingabe für seine Brüder und Schwestern. "Tut dies zu meinem Gedächtnis", damit ihr, die ihr meinen Weg mit mir gehen wollt, meine Jünger, meine Kirche sein wollt, damit ihr nicht vergesst, wozu ich euch gerufen habe: der Welt zu zeigen, ihr "vorzuführen", wie Gott will, dass Menschen und Völker zusammen leben: in Solidarität miteinander teilend.

Eine Kirche, die seelenruhig und selbstzufrieden ihre frommen Feste feierte, während Millionen von Menschen in der Welt hungern, müsste sich von Paulus sagen lassen (was er der Kirche in Korinth schon sagen musste): "Was ihr da tut, das ist nicht das Herrenmahl feiern. Denn jeder nimmt beim Essen sein eigenes Mahl vorweg. Und so hungern die einen, während die anderen betrunken sind". (1. Kor. 11, 20-21) Das Mahl Jesu feiern, ohne sich für Gerechtigkeit in der Welt einzusetzen, das wäre, das ist ein Widerspruch in sich selbst. Das ist nicht das "Brotbrechen" des Herrn. Der wahre Auftrag der Kirche besteht letztlich nicht im Feiern von schönen Liturgien, sondern darin, die mitmenschliche Solidarität zu leben und die proklamierte "Option für die Armen" zu praktizieren. Nur Solidarität - besonders für den Schwachen - , Gerechtigkeit für die Armen in unserer Welt, und gewaltfreie Lösungen von Konflikten führen zu wahrem Frieden in der Welt, zur Pax Christi.