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pax christi

menschen machen frieden - mach mit.

Unser Name ist Programm: der Friede Christi. 

pax christi ist eine ökumenische Friedensbewegung in der katholischen Kirche. Sie verbindet Gebet und Aktion und arbeitet in der Tradition der Friedenslehre des II. Vatikanischen Konzils. 

Der pax christi Deutsche Sektion e.V. ist Mitglied des weltweiten Friedensnetzes Pax Christi International.

Entstanden ist die pax christi-Bewegung am Ende des II. Weltkrieges, als französische Christinnen und Christen ihren deutschen Schwestern und Brüdern zur Versöhnung die Hand reichten. 

» Alle Informationen zur Deutschen Sektion von pax christi

Gedenkgottesdienst Ruf

Josef Ruf, hingerichtet am 10. Oktober 1940 in Brandenburg-Görden - Predigt von Pfr.Hermann Benz am 20.5.2001 in Hochberg bei Saulgau

Gottesdienst zum Gedenken an Josef Ruf

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Freunde,

vor circa zwei Wochen habe ich auf einem Spaziergang meiner Schwester die Geschichte von Josef Ruf erzählt. Daraufhin haben wir lange über jene unselige Zeit diskutiert, die wir beide damals noch nicht Volljährigen mehr oder weniger bewusst miterlebt hatten.

Und da fragte mich plötzlich meine Schwester: "Was meinst Du, was hättest Du damals getan, wenn Du ein paar Jahre älter gewesen wärest und die gleiche Überzeugung wie Josef Ruf gehabt hättest, würdest Du den Mut gehabt haben...?" Meine Antwort war: "Ich fürchte, nein. Es sei denn, Gott hätte mir dazu eine außergewöhnliche Kraft gegeben...

"Wir waren uns darüber einig: dieser junge Mann, Josef Ruf, war ein außergewöhnlicher, ein bewundernswerter Mensch, und ein Beispiel, ein Vorbild für uns, die wir oft so feige sind, Angst um unser Leben haben und deshalb lieber den bequemen Weg gehen, mit der Masse laufen und unseren Mund halten, wo wir eigentlich nicht schweigen dürften.

Josef Ruf, seine unbeugsame Treue gegenüber seinem Gewissen und damit gegenüber dem Ruf Gottes in ihm, so wie er ihn vernommen hat, ist wahrhaftig des bleibenden Gedenkens wert. Seine Geschichte könnte in der Bibel stehen zur bleibenden Erinnerung im Namen Gottes, der ein Mensch war wie wir, und doch über seinen menschlichen, all zu menschlichen Schatten gesprungen ist - über die Angst vor einem frühen, gewaltsamen Tod. Die Kraft dazu schöpfte er aus seinem tiefen Glauben und seiner Offenheit für Gott im vollkommenen Vertrauen auf Ihn und in ganzer Hingabe an Seinen heiligen Willen.

Wir haben eben im Evangelium (vom 6. Ostersonntag) die bedeutungsschweren Worte Jesu gehört: "Wenn einer mich liebt, wird er mein Wort bewahren, mein Vater wird ihn lieben und wir werden ... Wohnung bei ihm nehmen." (Joh. 14 ,23). Josef Ruf hat ihn, Jesus Christus "seinen König" und Bruder, geliebt, und so wohnte Gottes Kraft in ihm, Gott selbst. Und in den folgenden Versen des Evangeliums, V. 26 u. 27, sagt Jesus: "Der Beistand aber (Friedolin Stier übersetzt: der Mutmacher!), der Heilige Geist, wird euch alles lehren... Frieden hinterlasse ich euch,meinen Friedengebe ich euch, nicht wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch".

Josef Ruf hat sich diesem Frieden von Jesus, seinem "König", mit ganzem Herzen geöffnet. In diesem Frieden ging er seinen Weg bis in den Tod unterm Fallbeil.

Wer von uns wollte und könnte leichtsinnig sagen: ich würde genau so handeln wie Josef Ruf!? Wir alle sind immer versucht, den bequemeren und leichteren Weg zu gehen, wie damals, so heute. Deshalb wollen wir jene nicht verurteilen, die damals den Fahneneid auf Hitler und den Kriegsdienst nicht verweigert haben - vielleicht guten Glaubens, vielleicht aus Feigheit, vielleicht auch aus Überzeugung, das Richtige zu tun. Besser als verurteilen ist zu beten: O Gott, sollte ich in eine solche Situation der äußersten Prüfung geraten, dann steh mir schwachen Menschen bei...

Auch heute - so meine ich - sollten wir jene nicht verurteilen, die den Wehrdienst nicht verweigern, sondern ihn vielleicht sogar in der Überzeugung leisten, dass es Gottes Wille sei, so "das Vaterland, das Leben und die Freiheit des eigenen Volkes zu schützen.

"Liebe Brüder und Schwestern, was uns aber Josef Ruf, sein Leben und sein Tod zu sagen hat, und was deshalb wir von ihm sagen können ist dies:

Erstens:Er war einMärtyrer des Gewissens. Was er in seinem Gewissen als Gottes Willen erkannt hatte, dem folgte er in unbeirrbarer Treue bis in den Tod. Thomas von Aquin gibt auf die Frage: "Was muss ich tun, wenn der Papst von mir etwas verlangt, was gegen mein Gewissen ist", die Antwort: "Du musst Deinem Gewissen folgen". (Josef Ruf folgte unbeirrbar seinem Gewissen!)

Zweitens:Josef Ruf war ein prophetischer Mensch, ein Zeuge für das Reich Gottes, wie es in der heutigen Lesung aus dem Buch der Offenbarung dargestellt wird: als die "Heilige Stadt Jerusalem", die Stadt des vollkommenen Friedens. In diesem "neuen Jerusalem", im Reich Gottes, werden "alle Schwerter in Pflugscharen umgeschmiedet" sein. Da gibt es keine Waffen, keine Kriege, auch keine Verteidigungskriege mehr! Für diese Realität des Reiches Gottes war Josef Ruf ein lebendiger Zeuge, wie alle Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen Zeugen dieser neuen und größeren Realität sind, sie, die von den "Realisten dieser Welt" oft als Utopisten und unrealistische Schwärmer verlacht werden.

Liebe Brüder und Schwestern, wir sind noch in der Osterzeit. Und da hören wir in ganz besonders eindringlicher Weise den Ruf in ein"neues Leben". "Neuer König, neue Zeiten...".

Dieses Gebet habe ich so ungefähr zur Einweihung des Gedenksteins beten wollen... aber dann nicht so sprechen können:

Lieber Bruder, lieber großer Bruder Josef Ruf, wir ehren Dich, wir haben hohen Respekt vor Dir! Ja, tief innen, beneiden wir - beneide jedenfalls ich Dich, um Deine Kraft und Deinen Starkmut, des Todes nicht zu achten, wo Gott ruft, um Zeuge zu sein für sein Reich, das verborgen schon in uns am Werk ist, wie ein Samenkorn, das in die Erde gestreut ist, und um dessen Kommen wir jeden Tag beten: Dein Reich komme!

Erbitte uns von Gott die Gnade, die Kraft, auf seine Stimme in unserem Innern zu hören, seinem Ruf treu zu folgen, auch wenn es uns persönlich nur Schaden und Nachteile einbringt.

Dein Beispiel steht uns besonders dann vor Augen, wenn wir in schwierigen Situationen feige und schwach erfahren, damit Gott uns durch Dein Vorbild Kraft gebe, über unseren menschlichen Schatten zu springen und in unserem Reden und Tun Zeuge des Reiches Gottes zu sein!

Und so, liebe Brüder und Schwestern, segnen wir diesen Gedenkstein, dass er viele Menschen, die davor innehalten, nachdenklich werden lasse und herausfordere, ihrem Gewissen treu zu folgen, wie Du es uns vorgelebt hast, bis in den Tod!